Reserviert
Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, in der es noch keine Multiplexkinos gab. Kinos waren damals noch reine Lichtspielhäuser und das alte Astoria in Bielefeld, wo jetzt Phoenix bzw. Thalia steht, war mit 999 Sitzplätzen Anfang der Achtziger das fünftgrößte Kino Deutschlands. Wenn man sich einen Film anschauen wollte, stellte man sich in eine endlose Reihe an und bekam an der Kasse als Eintrittskarte ein Papierschnipsel von der Rolle. Nichts war mit Platzreservierungen. Damals war die Welt noch in Ordnung, derjenige, der zuerst da war, bekam seinen gewünschten Platz. Oder der stärkere. Platzreservierungen sind für mich genauso überflüssig wie ein Furunkel am Hintern. Der Gipfel der Unverschämtheit wird dann erreicht, wenn so'n Pärchen kurz nach Filmbeginn exakt auf den beiden Plätzen besteht, die vorgebucht wurden, obwohl die ganze Reihe noch genügend freie Plätze aufweist. Aber nein, dann wird diskutiert und gezetert. Reservierungen in Restaurants sind das gleiche Thema, nur mit einer größeren Spur des Ärgernisses, wenn irgendwelche Leute meinen, einen Tisch zu reservieren und dann zu spät oder schlimmsten Falls überhaupt nicht erscheinen. Spätestens nach einer Viertelstunde hat eine Vorbestellung keine Gültigkeit mehr. Schluss, aus. Und da war ich gestern auch schon wieder schnell auf Hundertachtzig, als ich mit den Jungs mir in der Wunderbar das Pokalhalbfinale der "Blauen Götter" gegen die "Stadt, die ein einziger sozialer Brennpunkt ist" anschauen wollte. Ein Herr Bateman reserviert nicht, soweit kommt's noch. Über eine Stunde vor Übertragungsbeginn lagen überall Zettel mit dem Hinweis "reserviert" auf den Tischen und sogar an der Theke. Aber nicht mit dem Commander. Ein Tisch mit gutem Blick auf das Geschehnis war um 19.30 Uhr für vier Personen vorbestellt. Erst einmal Platz genommen, wollten wir schauen, was sich ergibt. Gegen 20 Uhr kamen dann die besagten Leute, die ich zuvor noch nie dort gesehen habe. Kurze Rede, langer Sinn, kurz aufgezeigt, wer wann und wo sitzt.
Apropos Reservierungen in Restaurants: In New York war es vor einigen Monaten derart hip, in den angesagtesten Restaurants einen großen Tisch vorzubestellen und nicht zu erscheinen. Das hat einen Restaurantbesitzer dermaßen genervt, dass er kurz nach Lokalschluss die Personen gegen 3 Uhr nachts noch mal anrief und nachfragte, ob die Reservierung noch aufrechterhalten werden soll. Richtig so! Bei Reservierungen reagiere ich oft sehr unreserviert!
bateman - Mittwoch, 12. April 2006, 20:48 - (566)
