Record Store Day

Es gibt einen Weltfrauentag, einen Nichtrauchertag und gestern gab es den "Record Store Day", ein Tag, an dem der kleine Plattenladen geehrt wurde, heutzutage ein Relikt der Vergangenheit, was ich persönlich sehr bedauere.

'JPC' an der Alfred-Bozi-Straße, dort wo sich jetzt 'Magic' befindet, war der erste Plattenladen, an den ich mich erinnere, ein kleiner Raum, an deren Wände Kopfhörer hingen, über die man sich die neuesten Langspielplatten anhören konnte, zwei Wochen lang, in der erste die "A-Seite", in der zweiten die "B-Seite". Oder 'Phonac' am Kesselbrink.

Die Platten waren in Klarsichthüllen verpackt, um sie vor Abgriff zu schützen und es fühlte sich herrlich an, die Regale Platte für Platte durchzugehen, die dumpfen Geräusche, die hierbei entstanden. Dann kam das kalte, gefühlsarme "Klack", "Klack" der transparenten CD-Plastikhüllen, ein grausames Geräusch und der Geruch der Platten fehlte ebenfalls. Und was haben wir jetzt? Nur noch einen lautlosen Mausklick in den MP3-Musicstores wie iTunes, mp3.com etc., gefühlskalt und emotionslos wie ein toter Fisch. Bei dieser Entwicklung brauchen wir uns nicht wundern, dass nur noch eine sozialkalte "Generation Porno" heranwächst, frei von jeglichen Emotionen, geleitet und geführt vom "Knopfdruck".

Was war das ein erhebendes Gefühl, als ich mir von meinem Taschengeld 1980 meine allererste Vinyl-LP kaufte: "Back in Black" von "AC/DC". Ich glaube, ich hatte damals das erste Freudentröpfchen in der Hose, als ich das schlicht-schwarze Cover in meiner Hand halten durfte. Zittrig zog ich mit der rechten Hand das Inlay heraus, drehte es um 90 Grad nach rechts, damit das schwarze Vinyl herausrutschen konnte, der Daumen griff die Plattenrand, Ring- und Mittelfinger lagen unter dem Label. Ich legte die Platte auf meinen Plattenspieler und setzte vorsichtig die Nadel des Tonarms auf die Platte, dann ein Knistern, Emotionen pur, anstelle des heutigen "next" oder "skip"-Drückens.

Ich habe gestern zwar nicht den Plattenladen geehrt, aber die gute alte Vinylscheibe, in dem ich viele alte Platten mir angehört habe. An diesem Wochenende brauchte ich keinen Sex, ich hatte ein anderes Knistern, ebenso schön.


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