Mittwoch, 2. November 2005

Warum nicht?

In Zeiten, in denen alles schnell gehen muss. In Zeiten, in denen alles praktisch sein muss. In Zeiten, in denen der Kopf nicht mehr durch die Tür passt. In Zeiten, in denen man über die weiße Keramik mit seinem Schöpfer spricht: "Oh, mein Gott!", warum nicht einfach das Aspirin im Kaffee auflösen?

November

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist 'ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn' Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt's an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch' unvernünft'ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!


Heinrich Seidel (1842 - 1906)

Montag, 31. Oktober 2005

Erwachsen werden

Diversen Studien zufolge werden wir Deutsche immer später erwachsen. Während früher die meisten Leute mit 30 voll im Berufsleben standen, inklusiv abgeschlossener Familienplanung, leben heute sehr viele Leute bis Mitte/Ende 20 im "Hotel Mama".

Doch ab wann gilt man als erwachsen? Ich meine jetzt nicht laut Ausweis, sondern von der Einstellung. Irgendwo stand vor einigen Monaten darüber ein Artikel im Spiegel (oder war es der Focus bzw. Stern?) Eine britische Soziologin brachte es relativ einfach auf den Punkt: "Sobald wir wieder freiwillig früh zu Bett gehen." Wenn das die entscheidende Formel ist, werde sogar ich langsam erwachsen. Früher war es undenkbar für mich, die geschenkte Stunde der Zeitumstellung für zusätzlichen Schlaf zu nutzen. Hieß es sonst eine Stunde länger feiern. Nein, diesmal einen grundsoliden Samstag auf dem Sofa verbracht und mir "Das aktuelle Sportstudio" mit der Auslosung zur nächsten DFB-Pokal-Runde angeschaut (uups, dabei besitze ich ja kein Fernsehgerät ;-)

Zugegeben, ein wenig war es schon eine zwangsläufige Auszeit. Kamen Freitag doch einige alte Studienkollegen zum Feiern in die ostwestfälische Metropole. Doch vielmehr ist es seit einigen Wochenenden, dass die Jungs sich darauf spezialisiert haben, am Wochenende in "alte Schachteln Kneipen" zu gehen. Dort, wo gelangweilte ältere Frauen über 40, mit billigem Lippenstift auf ihren Jackett-Kronen, unerträgliche Schlagermusik aus jenen Zeiten hören, in der ihre Falten noch nicht so stark zum Vorschein kamen.
Das ist nun wirklich nicht meine Welt, fühle ich mich doch unter jüngeren Leuten wesentlich wohler, als unter Gleichaltrigen, mit ihren verschrobenen Ansichten. Nein Danke!

Nachtrag. Heute geht's wieder Halloween feiern, schließlich haben wir in NRW das Glück, dass morgen Feiertag ist. Und das bei Nachttemperaturen, die wir sonst gerne im Oktober als Tagestemperaturen hätten.

BATE|MAG

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