Montag, 11. Juni 2007

Lost in Communication

In Berlin habe ich unter anderem ein Büro auf der Schönhauser Allee, eins in der Torstraße Ecke Rosenthaler und in der Friedrichstraße. In Bielefeld in der Steinstraße, Arndtstraße, sowie Am Gehrenberg. Weitere Büros sind in Hamburg, Köln, Düsseldorf, München, London, Rom, Lissabon und in Los Angeles und New York. Letztendlich in fast jeder (größeren) Stadt. Und die Preise hierfür sind absolut erschwinglich und moderat. Umgerechnet zwischen 2,50 - 5,50 Euro. Nicht pro Quadratmeter².

Nein, in meiner Branche brauche ich keine angemieteten Büroräume. Alles gezippt komprimiert auf 360 x 267 x 29,8 mm und 2,75 kg. Überall wo sich ein Hotspot befindet, kann ich meine geschäftlichen Sachen mühelos erledigen. Zwischen zwei Terminen kurz in ein solches Café mit kostenlosem W-LAN-Internetzugang kann ich mittels Notebook in der heutigen Zeit alles Notwendige bequem per Mausklick erledigen, ohne ein klassisches Büro zu betreten. Die Möglichkeiten und Anforderungen an die Arbeitswelt haben sich dank neuester digitaler Technologie verschoben. Darin liegen die neuen Chancen - und das Dilemma.

Der Blick auf meine Uhr verrät mir noch eine Stunde bis zum nächsten Kundentermin. Also in eines der erwähnten "Büros", um noch das ein und andere vor- bzw. nachzubereiten. Laptop hochgefahren, erhalte ich von meiner Innendienstdame per Outlook meine Termine der nächsten Tage, die unmittelbar mit dem PDA synchronisiert werden. Danach schreibe ich einige Angebote, konvertierte sie zur pdf-Datei und versende sie per E-Mail an meine Kunden oder Interessenten. Eingehende Faxe lasse ich direkt auf meinen E-Mail-Account weiterleiten und mittels Software (SmartFax) versende ich auch aus allen Anwendungen heraus Faxe.

Ich habe noch etwas Zeit, also bestelle ich einen weiteren Milchkaffee (Caffè Latte, nicht zu verwechseln mit einem Latte Macchiato) und rufe mit meinem Mobiltelefon meine Innendienstkraft an, um zu hören, ob alles in Ordnung ist und keine Besonderheiten vorliegen. Mittels ePaper informiere ich mich über die Neuigkeiten in meiner ostwestfälischen Heimatstadt, um anschließend die aktuellsten Meldungen auf SpOn oder Netzeitung nachzulesen oder per Podcast/Videostream anzuschauen.

Plötzlich skyped mich eine Freundin aus Übersee an, von der ich seit einigen Monaten nichts mehr gehört habe. Ich stelle meine Webcam an und wir kommunizieren per Videocalling. Ich bestelle einen weiteren Milchkaffe. Nach dem Gespräch ein kurzer Eintrag in mein Weblog und einen Blick in alle die netten Blogs von Euch, teilweise mit einem kurzen Statement in Form eines Kommentars versehen. Just noch ebay angeklickt, um mich zu vergewissern, wie meine eingestellten Auktionen bisher angelaufen sind und selbst noch etwas gestöbert, auf der Suche nach etwas, das ich normalerweise nicht brauche, mich aber trotzdem in den Bann gezogen hat und unbedingt ersteigern möchte.

Ein erneuter Blick auf die Uhr. Mist, schon 16:03 Uhr und das, obwohl mein Termin um 16 Uhr avisiert war und mein Navigationsgerät eine Fahrzeit von 20 Minuten ausgerechnet hatte, den Berufsverkehr nicht mit einkalkuliert. Ich rufe kurz bei meinem Kunden an und entschuldige mich schon im Voraus, dass ich im Stau stecke und ein paar Minuten später eintreffen werde. Und wieder einmal bin ich 'Lost in Communication'.

² pro Milchkaffee

Sonntag, 10. Juni 2007

Die graue Eminenz

Nun sind doch einige Tage seit meinem letzten Beitrag Satz vergangen. Grund dafür war, dass ich schockiert war. Nicht über die Ausschreitungen einiger Demonstranten in Heiligendamm zum G8-Gipfel. Nicht darüber, dass Paris Hilton ihre Haftstrafe antreten musste und vorübergehend wieder freigelassen wurde. Nein, der Grund für meine fast zweiwöchige Blogabstinenz ist viel banaler dramatischer.

Es begann heute vor einer Woche, also quasi letzten Sonntag. Um meinen morgendlichen Kater meine Müdigkeit und die damit verbundene Sonntagslethargie abzulegen, steckte ich mein Gesicht in das Waschbecken, gefüllt mit kaltem Wasser und Eiswürfel, um die Lebensgeister zu wecken. Ich schaute hinauf in den Badezimmerspiegel und stieß einen lauten Schrei vor Entsetzen aus. Meine Dame, die es sich noch im Bett bequem gemacht hatte, stürzte vor lauter Besorgnis in das Badezimmer. Noch nach Fassung ringend sprach ich zu ihr, sie sollte sich schon einmal nach jemand Jüngeren umsehen, meine Tage sind gezählt, der körperliche Verfall nur noch eine Frage der Zeit, bevor sich mein Verwesungsgeruch breitmachen wird. Wie konnte so etwas bloß mir passieren, dem lebendig gewordenen Jungbrunnen, der trotz seiner 37 31 Jahren immer noch auf Mitte Zwanzig geschätzt wird, dank meines vollen Haares, der jugendlichen Pfirsichhaut und absoluten relativen Faltenfreiheit.
Entgeistert schaute sie in meine mit Tränen gefüllten Augen. "Was hast Du?", fragte sie mich mitleidsvoll.

"Schau hier, mein erstes graues Haar", antwortete ich und zeigte auf meine rechte Kotelette, oberhalb des Ohres, aus der unübersehbar ein graues, ja fast schon weißes Härchen ragte.
"Ach so, das ist mir schon vor einigen Tagen aufgefallen", entgegnete sie mir sanftmütig. Warum sie mir denn nichts gesagt hatte, wenn es ihr schon vorher aufgefallen war, wollte ich wissen.
Nein, sie wollte mich nicht beunruhigen und es ist ja auch nichts Schlimmes, gab sie mir als Grund für Verschweigen an. Außerdem wäre ich zu eitel und Männer mit graumelierten Schläfen gelten als sexy: George Clooney sei der beste Beweis für diese These, sprach's, trat ganz nah an mich heran, strich durch mein nasses Haar und zupfte das besagte graue Haar mit einem raschen Ruck heraus. Nun heißt es doch, dass wenn man ein graues Haar herausreißt, das dafür 10 100 1000 graue Haare nachwachsen.

Somit wird euch in kurzer Zeit ein in Würde ergrauter Herr Bateman hier weiter "begegnen". Deshalb noch schnell ein Foto von Herrn Bateman, dem "Second Sexiest Man Alive" - nach besagtem Mr. Clooney - mit seiner "normalen" Haarfarbe.

Die Eminenz

BATE|MAG

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Bösartig seit 7941 Tagen
Zuletzt am: 22. Aug, 20:23
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