Sonntag, 19. April 2009

Record Store Day

Es gibt einen Weltfrauentag, einen Nichtrauchertag und gestern gab es den "Record Store Day", ein Tag, an dem der kleine Plattenladen geehrt wurde, heutzutage ein Relikt der Vergangenheit, was ich persönlich sehr bedauere.

'JPC' an der Alfred-Bozi-Straße, dort wo sich jetzt 'Magic' befindet, war der erste Plattenladen, an den ich mich erinnere, ein kleiner Raum, an deren Wände Kopfhörer hingen, über die man sich die neuesten Langspielplatten anhören konnte, zwei Wochen lang, in der erste die "A-Seite", in der zweiten die "B-Seite". Oder 'Phonac' am Kesselbrink.

Die Platten waren in Klarsichthüllen verpackt, um sie vor Abgriff zu schützen und es fühlte sich herrlich an, die Regale Platte für Platte durchzugehen, die dumpfen Geräusche, die hierbei entstanden. Dann kam das kalte, gefühlsarme "Klack", "Klack" der transparenten CD-Plastikhüllen, ein grausames Geräusch und der Geruch der Platten fehlte ebenfalls. Und was haben wir jetzt? Nur noch einen lautlosen Mausklick in den MP3-Musicstores wie iTunes, mp3.com etc., gefühlskalt und emotionslos wie ein toter Fisch. Bei dieser Entwicklung brauchen wir uns nicht wundern, dass nur noch eine sozialkalte "Generation Porno" heranwächst, frei von jeglichen Emotionen, geleitet und geführt vom "Knopfdruck".

Was war das ein erhebendes Gefühl, als ich mir von meinem Taschengeld 1980 meine allererste Vinyl-LP kaufte: "Back in Black" von "AC/DC". Ich glaube, ich hatte damals das erste Freudentröpfchen in der Hose, als ich das schlicht-schwarze Cover in meiner Hand halten durfte. Zittrig zog ich mit der rechten Hand das Inlay heraus, drehte es um 90 Grad nach rechts, damit das schwarze Vinyl herausrutschen konnte, der Daumen griff die Plattenrand, Ring- und Mittelfinger lagen unter dem Label. Ich legte die Platte auf meinen Plattenspieler und setzte vorsichtig die Nadel des Tonarms auf die Platte, dann ein Knistern, Emotionen pur, anstelle des heutigen "next" oder "skip"-Drückens.

Ich habe gestern zwar nicht den Plattenladen geehrt, aber die gute alte Vinylscheibe, in dem ich viele alte Platten mir angehört habe. An diesem Wochenende brauchte ich keinen Sex, ich hatte ein anderes Knistern, ebenso schön.

Donnerstag, 9. April 2009

Unser DSC

Das gestrige Championsleaguespiel zwischen dem FC Barcelona und FC Bayern München hat wieder einmal mehr verdeutlicht, wie gnadenlos schlecht in Wirklichkeit die deutsche Bundesliga ist, welches niedrige spielerische Niveau dort herrscht . Und wer in dieser Grottenliga nach 26 Spieltagen gerade einmal mickrige 24 Punkte aufweisen kann, dürfte sich eigentlich gar nicht als Fußballmannschaft bezeichnen, selbst der Begriff Rumpelfußball wäre noch geschmeichelt. Und somit kommen wir zum Hauptthema: Unser DSC.

Nach dem schlechten Spiel gegen Schalke (ja, es war ein schlechtes Spiel) wird es für mich nicht mehr "unser DSC" sein. Ich habe beschlossen, mir für die kommende Zweitligasaison keine Dauerkarte mehr zu kaufen, selbst dann nicht, wenn wir den Klassenerhalt schaffen würden . Denn mittlerweile kotzt mich der Verein dermaßen an, dass ich in der Führungsetage Amok laufen könnte.

Da wäre zuerst Roland Kentsch, der sich wie ein Schneekönig freut, in der Bilanz eine "schwarze Null" stehen zu haben, getreu der Maxime "verwalten statt gestalten". Schön, schuldenfrei abzusteigen, statt mal ein kalkulierbares, sportliches Risiko einzugehen. Ein "Geschäftsführer Finanzen" ohne sportliche Denkweise gleicht Harakiri.

Mit Michael Frontzeck haben wir einen Trainer, von dem ich das Gefühl habe, mit der klaren Zielvorgabe in die Saison zu starten, 34 mal ein Unentschieden zu ermauern, mit deren Punkte dann der Nichtabstieg realisiert werden soll. Den letzten Biss, das unermüdliche Verlangen, wirklich zu gewinnen und auf drei Punkte aus zu sein, vermisse ich die ganze Saison. Stattdessen die Schönmalerei und das Phrasendreschen "wer weiß, wofür dieser (mickrige - Anm. der Redaktion) Punkt am Ende Saison gut ist." Spielerisch ist Arminia Bielefeld eindeutig das schlechteste Team der Bundesliga. Es ist aus schon grausam anzusehen, was für ein Kraftakt die Mannschaft aufbringen muss, um überhaupt ein klägliches Tor zu erzielen.

Über den Vorstand und Präsident Hans-Hermann Schwick muss ich nicht viel Worte verlieren. Ein Vorstand, besetzt mit Kleinunternehmern ohne jeglichen Fußballsachverstand, die mit Müh' und Not ihre Kleinbetriebe leiten, sind mit der Aufgabe, Profivereine mit Millionenumsätze zu leiten, hoffnungslos überfordert. Sattdessen habe ich das gefühl, dass sie sich gegenseitig mit einer Analkette pimpern, das einzige, was sie können.

Das Stadion, oder besser die neue Hauptribüne ist eine einzige Farce. Siehr gut aus, aber nicht mehr. Erstens passt sie nicht in das Gesamtkonzept, sondern sieht aus, als wäre sie da reingeschoben und vergessen, wieder abzuholen. Zu dem Übergang zu "Block A" und der Blechwand brauche ich ja wohl nichts zu sagen. Ein Zeichen für den Dilettantismus, den der Verein auszeichnet. Hierfür steht auch das Kürzel "DSC": "Dilettantischer Sport Club".

Fazit: Ich glaube nicht an den Klassenerhalt. Falls wir ihn dann widererwartend doch schaffen sollten, liegen sich dann wieder alle in dem Armen und brüllen laut heraus: "Wir haben alles richtig gemacht". Falsch! Wir hätten in dem Fall gar nichts richtig gemacht, drei Mannschaften haben bloß sehr vieeeeeeel mehr falsch gemacht. Das kann aber nicht das Anspruchsdenken sein, ist es aber leider. Den Strohhalm Platz 16 und der damit verbunden Relegation möchte ich gleich abhaken, denn Relegation ist unser Feind, den ich gegen Saarbrücken selbst miterlebt habe.

Nein, dieser Verein macht schon lange keinen Spass mehr. Die Leidenschaft ist verflogen, solange sich nichts in diesem Verein grundlegend ändert.

So, ich habe fertig.

BATE|MAG

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