Freitag, 14. Oktober 2005

Fünfhundert Tage

Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Und dann wirkt es, als wäre es eine Ewigkeit. Fünfhundert Blogtage hier bei 2day. Manch Leser wird sich mit einem Blick auf das Archiv verwundert fragen: Heute vor 500 Tagen war doch nicht Juli 2003?. Und er liegt richtig. Unter meinem „alten“ Blog bei einem anderen Anbieter habe ich einen Schlussstrich gezogen und das Blog vollständig gelöscht. Die meisten Beiträge wurden mit dem Originaldatum hierher kommentarlos exportiert. Damit wollte ich die gesamte Zeitspanne des Bloggens dokumentieren. Somit würden zu den erwähnten fünfhundert Tagen noch ca. dreihundert weitere hinzukommen. Auch damals habe ich unter dem Pseudonym Bateman meine Gedanken schriftlich niederlegt. Wie bei so vielen Bloggern auch, zunächst ganz anonym, ohne Hinweis auf meine wirkliche Identität. Diese wurde erstmalig hier mit Bildern von mir offengelegt. Warum auch nicht, habe ich schließlich nichts zu verbergen. Ich respektiere aber auch alle, welche die Anonymität des Bloggens lieben und nutzen. Nur bin ich stets bedacht, dass man über dieses Blog nicht meinen vollständigen Namen googlen kann.

Vor gut einem Jahr startete ich „schwarz auf weiß“, das Blog unter meinem realen Namen. Gefüttert mit einigen Beiträgen wurde es erst im Sommer. Und damit begann das Dilemma. Ich bemerkte, dass mir dieses Blog in den rund 800 Tagen ans Herz gewachsen ist, habe ich es doch eine Menge anvertraut. Auch Dank oder besser wegen euch Leserschaft. Mag es auch (noch) nicht für die Top100 reichen. Aber darum geht es mir auch nicht.

Mein anderes Blog wird zwar auch weitergeführt, jedoch mit eher langweiligen emotionslosen und sachlichen Beiträgen. Schließlich kann dieses Blog auch mit meinem Namen ausgegooglet werden.

Dieses Jubiläum wird auch gebührend gefeiert. Mit zwei Tagen auf dem Oktoberfest in der Seidenstickerhalle. Heute mit den Kollegen (ich werde doch hingehen) und morgen mit den „Jungs“.

And now, something completely different: Mit G-Mail verhält es sich wie mit Gremlins, die mit Wasser in Berührung kommen. Gestern erst wieder ein Dutzend Einladung rausgeschickt, wurde heute wieder die „Invitation“-List auf Hundert aufgefüllt. Wer also noch einen Account benötigt (sofern es so etwas noch in der Bloggerwelt gibt), soll sich an nebenstehende Adresse richten.

Nachtrag: Der Counter im Modul "Status" springt erst im Laufe des Tages auf 500. Warum, weiß ich auch nicht.

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Sture Ostwestfalen

Herr Bateman ist gerne in Bielefeld. Manchmal allerdings liebe ich es, zu reisen. Kürzlich hielt ich mich ein wenig außerhalb des Oberzentrums auf. Ich überquerte den Ärmelkanal und stand in London. Nun ist die britische Hauptstadt schon ein klein wenig größer als Bielefeld und es ist nicht so einfach, sich dort zurecht zu finden. Also schaute ich in den Stadtplan und suchte die Oxford-Street. Es dauerte keine zwei Minuten und ein freundlicher Engländer kam auf mich zu und fragte: „May I help you? - Kann ich Ihnen helfen?“ Sehr nette Leute, diese Engländer. Er war amused.

Heimgekehrt nach Bielefeld, spazierte ich über den Jahnplatz und sah ein Ehepaar mit offensichtlichen Orientierungsschwierigkeiten über einen Stadtplan gebeugt und dachte mir, auch wir Bielefelder sind nette Leute und fragte höflich: „Kann ich Ihnen helfen?“ Das Ehepaar drehte sich völlig konsterniert um und stierte zurück. Dann nahm der Mann seine Frau am Arm und sagte kühl: „Komm, wir gehen!“ Ich war platt. Ich wollte nichts verkaufen, einfach nur nett sein. Und das ist manchmal verdammt schwierig. Ich war not amused.

Mc Drive

Neulich bei McD:

Autofahren macht Spaß. Essen auch. Am meisten Spaß macht Essen im Auto, deswegen habe ich auch diese erhöhte Affinität zu Drive-In Schaltern...

Speziell in meinem Lieblings Fast-Food Restaurant. Das Vergnügen an dieser Self-Service Station des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert

Gegensprechanlage... Meiner Überzeugung nach, hat sie diesen Namen nur bekommen weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist...

„Hiere Bechellung hippe.“

Knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen. Klingt für mich nach Schellackplatte... Aus Erfahrung aber weiß ich, dass sich die Stimme (männlich... weiblich... Wohl eher männlich) am anderen Ende dieses Dosentelefons soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat.

Jetzt einfach zu bestellen wäre mir zu langweilig, also frag ich:

„Haben sie etwas vom Huhn?“

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit: „...icken“ endet. Ich antworte:

„Später vielleicht, zunächst möchte ich was essen.“

Etwas lauter tönt es zurück: „SCHICKEN?“ Ich kann es mir nicht verkneifen:

„Nein ich würde es gleich selbst abholen.“

Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir belustigt die genervte Visage des McDoof-Knechts vor. Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage ich:

„Ach sie meinen CHICKEN? Nö, lieber doch nicht. Haben sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke im Röstbrötchen?“

„Hamburger?“ fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück. Wahrheitsgemäß antworte ich:

„Nein ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluss auf meine Bestellung?“

„Wol-len sie ei-nen Ham-bur-ger?“

„Jetzt beruhigen sie sich mal, ja ich nehme einen.“

„Schieß?“

„Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit hier, mittlerweile ist meine Darmflora aber wieder wohlauf, ich denke ich kann es erneut riskieren.“

Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leid zu tun. Er kann ja nichts für seinen Job, aber ich ja schließlich auch nicht.

„Ob sie KÄ-SE auf den Hamburger möchten?“

„Ah ja gern, ich nehme einen mittelalten Pyrenäen Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen.“

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher: „Sicher doch.“ Oder „Arschloch“ lautet, kann ich nicht genau heraushören... Deutlicher erklingt nun:

„Was dazu?“

„Doch ja, ich hätte gern diese gesalzenen frittierten Kartoffelstäbchen.“

„Also Pommes?“

„Von mir aus auch die...“

„Klein, Mittel, Groß?“

„Gemischt, und zwar jeweils zu einem drittel große, mittlere und kleine.“

„WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN???“

Diese wiederum sehr laut formulierte Frage verstehe ich klar und deutlich, sie verlangt eine ehrliche Antwort:

„Falls das die Bedingung ist, hier etwas zu Essen zu bekommen, JA, also? Machen wir weiter?“

Die Stimme schnauft kurz und fragt: „Gut, gut. Pommes, etwas zu den Pommes?“

„Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas 1996er Spätburgunder bitte.“

„ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!“

„Machen sie das, aber verschütten sie dabei bitte nicht den Wein.“

„Schluß jetzt, Schalter 2. 4Euro 15.“

Schon vorbei, gerade als es anfing lustig zu werden. Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel. Ich zahle mit einem 500 Euro Schein.

„Tut mir leid, aber ich hab`s nicht größer.“

Freundlich werde ich ausgekontert: „Kein Problem.“ Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern. Nicht mit mir Freundchen, ich will den Triumph.

Also, Zeit fürs Finale.

„Kann ich bitte ne Quittung bekommen?“ frage ich überfreundlich.
„Ist ein Geschäftsessen!“

Nun Hausverbot!! Aber den Spaß war es wert!

Unter der Rubrik: Geschichten, die das Leben schreiben

BATE|MAG

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Bösartig seit 7947 Tagen
Zuletzt am: 22. Aug, 20:23
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